Wirtschaft ist Care

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Alternatives Wirtschaften

Autor*innen: Serife Ünal, Esra Efe, Melisa Cavlak, Ahmet Celik

Adresse

Weyertal 42
50937 Köln

Bild: Melisa Cavlak

The Good Food

The Good Food ist ein solidarisch organisierter Lebensmittelladen, der sich als Alternative zum klassischen Supermarkt versteht. Menschen mit unterschiedlichem Einkommen zahlen freiwillig unterschiedliche Preise und ermöglichen sich gegenseitig den Zugang zu hochwertigen, nachhaltigen Lebensmitteln. Gewinnmaximierung steht nicht im Vordergrund, stattdessen Solidarität, Transparenz und ökologische Verantwortung. Der Laden funktioniert nur durch gemeinschaftliches Engagement und gegenseitige Unterstützung (vgl. Gerbert, S. (o.D.)).


Wirtschaft ist Care

Mit alternativem Wirtschaften bezeichnen wir Wirtschaftsformen, die sich bewusst von kapitalistischen Prinzipien wie Gewinnmaximierung, Konkurrenz und Wachstumsorientierung abgrenzen. Stattdessen stehen Bedürfnisorientierung, Solidarität, demokratische Mitbestimmung und Gemeinwohlorientierung im Mittelpunkt. Die wachstumskritische Debatte (vgl. Paech 2012; Schmelzer/Vetter 2019) problematisiert beispielsweise, dass das gegenwärtige Wirtschaftssystem auf permanentem Wachstum basiert, obwohl ökologische Ressourcen begrenzt sind. Wachstum wird dabei zur zentralen Erfolgsgröße, während soziale Gerechtigkeit, Sorgearbeit und ökologische Nachhaltigkeit strukturell nachgeordnet bleiben.

Alternatives Wirtschaften stellt daher grundlegende Fragen: Für wen wird produziert? Welche Bedürfnisse stehen im Zentrum? Wer entscheidet über Preise und Verteilung? Hier knüpfen auch feministisch-ökonomische Perspektiven an: Sie kritisieren, dass das kapitalistische System Sorgearbeit (Care-Arbeit) unsichtbar macht und abwertet, obwohl sie die Grundlage allen Wirtschaftens bildet (vgl. Winker 2015). Wirtschaft solle demnach neu gedacht werden – nicht als Marktgeschehen, sondern als Organisation gesellschaftlicher Lebenssicherung.

Der Titel „Wirtschaft ist Care“ fordert dazu auf, Wirtschaft vom Standpunkt der Sorge aus zu denken. Ernährung ist dabei kein beliebiges Konsumgut, sondern eine Grundlage menschlicher Existenz. Eine Care-Perspektive auf Wirtschaft kann in diesem Kontext bedeuten:

  • Füreinander Sorge tragen
  • Zugang zu Grundnahrungsmitteln als ökonomische sowie soziale Frage verstehen
  • Lebensmittel nicht ausschließlich der kapitalistischen Preisbildung unterwerfen
  • Bezahlbarkeit unabhängig vom Einkommen ermöglichen
  • Nachhaltigkeit als Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen begreifen

Wenn Lebensmittel ausschließlich nach Marktlogik organisiert werden, entscheidet Zahlungsfähigkeit über Teilhabe. Eine Care-Ökonomie hingegen fragt: Wie können wir Ernährung so organisieren, dass sie für alle zugänglich ist?

Alternatives Wirtschaften im Ernährungsbereich kann daher als Versuch verstanden werden, Grundbedürfnisse solidarisch zu organisieren und der reinen Profitlogik teilweise zu entziehen. The Good Food ist ein solidarisch organisierter Lebensmittelladen in Köln, der sich als Alternative zum klassischen Supermarkt versteht. Menschen mit unterschiedlichem Einkommen zahlen freiwillig unterschiedliche Preise und ermöglichen sich gegenseitig den Zugang zu nachhaltigen Lebensmitteln. Gewinnmaximierung steht nicht im Vordergrund, sondern Solidarität, Transparenz und ökologische Verantwortung.

Felber, Christian (2018): Gemeinwohl-Ökonomie, München.

Gerbert, Susanne (o. D.): The Good Food – Rette Lebensmittel mit uns, in: //www.the-good-food.de (Stand: o. D., Abrufdatum: 04.03.2026).

Paech, Niko (2025): Befreiung vom Überfluss – das Update. München. Schmelzer, Matthias, & Vetter, Andrea (2021): Degrowth/Postwachstum zur Einführung (3., unveränderte Auflage), Hamburg.

Winker, Gabriele (2015): Care Revolution (1. Aufl), Bielefeld.