Wirtschaft ist Care

← Zur Übersicht

Ehrenamt

Autor*innen: Sophia Beyer, Miriam Fischer, Linda Uhr, Samuel Unterhansberg

Adresse

Richard-Wagner-Str. 8
50674 Köln

Bild: Sophia Beyer

Schmitzundkunzt

Der Schmitzundkunzt ist ein seit 2019 bestehender, nachbarschaftlich-gemeinnützig eingetragener Verein. Er betreibt derzeit zwei Standorte, einen in Köln-Sülz und einen hier in der Richard-Wagner-Straße 8. Ziel des Vereins ist es, städtisches Zusammenleben persönlicher und gemeinschaftlicher zu gestalten. Mit seinen vielfältigen Räumlichkeiten und Angeboten, vom Verleih von Werkzeugen, Lastenrädern, Fahrrädern und E-Bikes über Kleidungs- und Pflanzentausch bis hin zu einem Repair-Café, einer Nahwerkstatt und gemeinschaftlichen Hochbeeten schafft der Verein Orte der Begegnung und des nachhaltigen Handelns. Unter dem Motto „So geht Nachbarschaft" steht Schmitzundkunzt für Nachhaltigkeit, Non-Kommerzialität, Wohltätigkeit und vor allem für ehrenamtliches Engagement. Auch Künstler*innen finden hier ein preiswertes Zuhause oder einen Ort, um gemeinsam kreative Ideen umzusetzen.

Quelle: Schmitzundkunzt (2026), //www.schmitzundkunzt.de/index.php?q=1, Stand: 04.03.26, Zugriff: 31.01.2026.


Wirtschaft ist Care

In jedem Sportverein, jeder Kirchengemeinde, jeder Nachbarschaftsinitiative sind sie zu finden: Menschen, die ihre Zeit geben, ohne dafür bezahlt zu werden. Ehrenamt bezeichnet produktive Tätigkeiten, die unentgeltlich, in Anbindung an eine Organisation und zugunsten Dritter geleistet werden (Erlinghagen 2013: 199). Rund 37 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren in Deutschland engagieren sich ehrenamtlich (Fitzsche et al., 2025). Ein Ehrenamt zeichnet sich häufig durch prekäre Arbeitsverhältnisse sowie einer geringen oder gar keine Entlohnung aus. Die ehrenamtliche Care-Arbeit soll ohne Entlohnung ablaufen, obwohl im Vergleich dazu gleiche Aufgaben in der Wirtschaft entlohnt werden (Gubitzer & Mader 2011: 17).

Die Bandbreite ist immens: vom Sport über Kirche, Schule und Kindergarten bis zu sozialen Bereichen, Kultur und Freizeit. Seit 1986 ist der Anteil ehrenamtlich Aktiver kontinuierlich gestiegen (Erlinghagen 2013: 202). Doch Ehrenamt ist nicht voraussetzungslos. Die Beteiligung steigt mit höherer Bildung, besserer Gesundheit und stabiler Erwerbstätigkeit (vgl. ebd: 203).

Ein großer Teil ehrenamtlicher Arbeit ist Care-Arbeit: das Zuhören am Sorgentelefon, das Vorlesen im Kindergarten, die Begleitung zu Ärzt*innenterminen, wodurch Teilhabe für Menschen ermöglicht wird. Während bezahlte Erwerbsarbeit gesellschaftliche Anerkennung erfährt, bleibt diese tragende Sorgearbeit oft im Verborgenen, obwohl sie den Alltag vieler Menschen überhaupt erst möglich macht.

Neben dem beschriebenen Ehrenamt kann auch die Nachbarschaft als konkrete Unterstützung fungieren als sogenannte Nachbarschaftshilfe (vgl. Reutlinger C.& Stiehler S.& Lingg E. 2015: 12). Die Nachbarschaftshilfe beruht auf freiwilligen Tätigkeiten, manchmal werden diese auch mit einer Aufwandsentschädigung vergütet. Das Angebot soll die lokale Gemeinschaft stärken und dabei möglichst niedrigschwellig sein. Außerdem soll so die regionale Verbundenheit erhöht werden sowie ein gesundes soziales Leben, das Bürgerschaftliche Engagement und das Sozialkapital der Bürger*innen verbessert werden (vgl. ebd. :12). Neben diesen Vorteilen trägt Nachbarschaftshilfe zudem zur gesellschaftlichen Integration von Individuen bei (vgl. ebd. :13).

Quellen: Erlinghagen, M. (2013). Ehrenamt. In: Mau, S., Schöneck, N. (eds) Handwörterbuch zur Gesellschaft Deutschlands. Wiesbaden.

Fritzsche, A., Leven, I., Rysina, A., Schneekloth, U., & Wolfert, S. (2025). Freiwilliges Engagement in Deutschland: Zentrale Ergebnisse des Sechsten Deutschen Freiwilligensurveys (FWS 2024). Studie im Auftrag der Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, //www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/bundeskanzleramt/startseite-staatsministerin-fuer-sport-und-ehrenamt/bericht-zur-lage-von-engagement-und-ehrenamt-veroeffentlicht-2393064/, Stand: , Abruf: .

Gubitzer, L. & Mader, K. (2011): Care-Ökonomie. Ihre theoretische Verortung und Weiterentwicklung, in Kurswechsel, (4), S.7-21.

Reutlinger C.& Stiehler S.& Lingg E. 2015: Die Nachbarschaft soll es richten – Allgegenwärtigkeit eines Konzepts, in: Reutlinger C.& Stiehler S.& Lingg E. (Hrsg.), Soziale Nachbarschaften – Geschichten, Grundlagen, Perspektiven. Wiesbaden, S.11 – 22.