Wirtschaft ist Care

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Essen

Autor*innen: Jakob Hering, Colin Riss, Elisa Schosser, Jule Schmitz

Adresse

Zülpicher Straße 273b
Haltestelle Uniklinik – Linie 9

Bild: Illustration auf Grundlage eines Fotos von Elisa Schlosser, erstellt mit ChatGPT

St. Karl Kirche: Nächstenliebe im FC-Trikot

Die katholische St. Karl Kirche im Südwesten Köln bietet viel mehr als nur christlichen Gottesdienst: Eines der vielen Angebote für Gäste und Bewohner der Domstadt besteht in der FC-Lebensmittelausgabe. Diese wird in Zusammenarbeit mit der FC Köln-Stiftung organisiert. Sie findet mittwochs ab 14:30 Uhr (für die Bewohner*innen der Stadtteile Sülz, Klettenberg, Lindenthal und Braunsfeld) oder samstags ab 13 Uhr wohnortsunabhängig statt.

Quelle: //karl.koeln/lebensmittel/


Wirtschaft ist Care

„Das grundlegende Recht eines jeden, vor Hunger und Mangelernährung geschützt zu sein" ist in Artikel 11(2) des UN-Sozialpakts festgehalten (Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat 2014). Auch SDG 2 fordert explizit, den Hunger weltweit zu beenden und Ernährungssicherheit zu gewährleisten (United Nations 2015). Doch trotz dieser völkerrechtlichen Verpflichtungen kann eine flächendeckende Nahrungsmittelversorgung in privaten Haushalten nicht gewährleistet werden. Steigende Lebenshaltungskosten und ungleiche Löhne offenbaren eine strukturelle Lücke zwischen rechtlichem Anspruch und gelebter Realität, die stattdessen durch ehrenamtliches Engagement und private Spenden überbrückt wird.

Mit der Gründung der ersten Tafel im Jahr 1993 und heute 974 Standorten deutschlandweit können sozio-strukturell benachteiligte Menschen auf eine lebenswichtige Hilfseinrichtung zurückgreifen (Statista 2026). 77.000 ehrenamtliche Helfende versorgen 1,5 Millionen Menschen regelmäßig mit Nahrung und haben 2025 zudem 265.000 Tonnen Lebensmittel vor der Entsorgung gerettet (Tafel Deutschland 2025). Das Modell der Tafeln entzieht sich dabei klassischen ökonomischen Logiken: Lebensmittel werden gespendet statt verkauft, Arbeit ehrenamtlich statt entlohnt geleistet – und der Staat von Kosten entlastet, die eigentlich durch sozialpolitische Maßnahmen gedeckt werden müssten. Gleichzeitig birgt dies die Gefahr, dass strukturelle Ursachen von Armut politisch aus dem Blick geraten.

Denn die Mitarbeitenden stoßen längst an ihre Grenzen: Es fehlt an Helfenden und Spenden, während die Anzahl bedürftiger Menschen wächst (Tafel Deutschland 2025). Das wirft eine Frage auf, die über die Tafeln hinausweist: Wie lange kann eine Gesellschaft die Erfüllung von Grundrechten dem guten Willen Einzelner überlassen?


Kommentar

Die Tafel steht für Solidarität im Alltag und verdeutlicht, dass Wirtschaft nicht nur Produktion und Profit, sondern auch Fürsorge ist. Überall, wo die Tafel Menschen unterstützt, wird deutlich, dass Wirtschaft Verantwortung für Menschen übernimmt – Wirtschaft ist Care. Doch stellt sich dabei die grundlegende Frage, wer diese Fürsorge eigentlich tragen sollte: Ist es die Aufgabe eines fürsorglichen Staates, Ernährungssicherheit strukturell zu garantieren – oder liegt die Verantwortung bei den Bürger*innen selbst, die durch Ehrenamt und Spenden füreinander einspringen?

Quellen: Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (2014): Die rechtliche Verankerung des Menschenrechts auf Ernährung, in: https://www.bmel.de/...; Zugriff: 26.01.2026.

Statista (2026): Anzahl der Tafeln in Deutschland von 1993 bis 2025, in: https://de.statista.com/...; Zugriff: 26.01.2026.

Tafel Deutschland (2025): Tafel-Fakten im Überblick, in: TD_Faktenblatt.pdf; Zugriff: 26.01.2026.

United Nations (2015): Transforming our world: the 2030 Agenda for Sustainable Development,in: //sdgs.un.org/2030agenda; Zugriff: 26.01.2026.