Autor*innen: Sarah Rosner, Valerija Popp, Murat Tabarogullari, Sofie Große Gellermann
Kindertagesstätte Campus Pänz
Gronewaldstraße 2
50931 Köln
Bild: Sarah Rosner, Valerija Popp, Murat Tabarogullari, Sofie Große Gellermann
Die Kindertagesstätte Campus Pänz wurde von Studierenden der ehemaligen Pädagogischen Hochschule, heute Humanwissenschaftliche Fakultät der Universität zu Köln (HumF), gegründet und ist als Elterninitiative organisiert. Dieses Modell zeichnet sich dadurch aus, dass sich alle Mitglieder aktiv in die Gestaltung und Organisation des Kita-Alltags einbringen können. Die Einrichtung ist als Verein strukturiert, dem die Sorgeberechtigten beitreten müssen. Neben dem monatlichen Mitgliedsbeitrag in Höhe von 20 Euro fallen zusätzlich ein Kita-Beitrag sowie ein Essensbeitrag an, sodass sich die Gesamtkosten auf etwa 155 Euro pro Monat belaufen.
Campus Pänz besteht zudem in Kooperation mit der Universität zu Köln sowie der Stadt Köln und ist dadurch institutionell angebunden und abgesichert. Ein zentrales Merkmal der Elterninitiative ist die Mitgestaltung durch die Eltern: Pro Kita-Jahr sind 15 Stunden Elterndienst pro Kind zu leisten. Diese Dienste umfassen unter anderem Gartenarbeit, organisatorische Aufgaben oder handwerkliche Tätigkeiten. Auch regelmäßig anfallende Aufgaben wie Einkaufen und Wäsche waschen werden im Wechsel unter den Eltern organisiert.
Die Kindertagesstätte Campus Pänz ist ein konkretes Beispiel dafür, wie Care-Arbeit heute organisiert, verlagert und ökonomisch eingebettet wird. Im Zentrum steht die Betreuung von Kindern, eine Tätigkeit, die historisch und bis heute überwiegend von Frauen übernommen wird und lange Zeit als „private“ und unbezahlte Arbeit galt. Durch die Auslagerung dieser Aufgaben in eine Institution wird deutlich, dass Care-Arbeit keine rein private Angelegenheit ist, sondern eine zentrale Säule des Wirtschaftssystems darstellt (Haidinger & Knittler, 2019). In der feministischen Ökonomie wird hierbei zwischen verschiedenen Formen unterschieden: Während unbezahlte Care-Arbeit im privaten Haushalt meist einer affektiven Logik folgt und die materielle sowie generative Reproduktion sichert, wird sie durch die Verlagerung in Institutionen wie Kitas monetarisiert und somit zu bezahlter Care-Arbeit (Haidinger & Knittler, 2019, S. 123–125). Dieser Prozess der Kommodifizierung führt dazu, dass Sorgearbeit als Ware gegen Entgelt veräußert und in Marktprozesse eingebunden wird, was sie jedoch gleichzeitig oft einer marktwirtschaftlichen Rationalisierungs- und Produktivitätslogik unterwirft (Haidinger & Knittler, 2019, S. 126 ff.).
Diese Transformation ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Eltern, und hier aufgrund gesellschaftlicher Strukturen insbesondere Mütter, am Erwerbsleben teilnehmen können (Haidinger & Knittler, 2019). Dennoch zeigen aktuelle empirische Daten zur Zeitverwendung in Deutschland, dass unbezahlte Sorgearbeit nach wie vor höchst ungleich verteilt ist. Gemäß der Zeitverwendungserhebung 2022 des Statistischen Bundesamtes leisten Frauen pro Woche durchschnittlich 29:52 Stunden unbezahlte Arbeit, während Männer lediglich auf 20:42 Stunden kommen. Dies ergibt einen sogenannten Gender Care Gap von 44,3 %, der die andauernde strukturelle Benachteiligung verdeutlicht (Statistisches Bundesamt, 2023).
Diese geschlechtsspezifische Arbeitsteilung wirkt sich massiv auf Erwerbsbiografien, Einkommen und die langfristige soziale Absicherung aus (Haidinger & Knittler, 2019). Die institutionelle Kinderbetreuung, wie sie auf dem Campus Pänz stattfindet, trägt zwar zur zeitlichen Entlastung der Familien bei, löst aber die strukturelle Abwertung von Care-Arbeit nicht automatisch auf. Vielmehr verdeutlicht sie, dass Sorgearbeit nicht außerhalb der Wirtschaft existiert und private und wirtschaftliche Sphäre nicht getrennt betrachtet werden können. Wie das Bild des ökonomischen Eisbergs zeigt, bildet die oft unsichtbare Care-Arbeit das notwendige Fundament, ohne dass die sichtbare Marktwirtschaft nicht funktionieren könnte (Haidinger & Knittler, 2019, S. 127–129).