Wirtschaft ist Care

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Pflege

Autor*innen: Yasemin Sahin, Anna Goldstein, Nadine Gündüz, Hatice Tazegül

Adresse

Kölner Klinikclowns e. V.
Große Telegraphenstraße 34-36, 50676

Bild: Eigene Darstellung

Kölner Klinikclowns e.V.

Der Kölner Klinik‑Clowns e. V. wurde 1995 von Kölner Künstler*innen gegründet und ist seitdem in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Seniorenheimen, Hospizen und weiteren Gesundheitseinrichtungen aktiv. Die Mitglieder*innen des Vereins sind professionell ausgebildete Clowns*innen, die sich speziell auf Einsätze in medizinischen und pflegerischen Kontexten vorbereiten und für ihre Besuche ein Honorar erhalten. 2004 hat der Verein gemeinsam mit anderen Klinikclown-Initiativen den „Dachverband Clowns in Medizin & Pflege Deutschland e. V.“ mitbegründet, um Qualität und ethische Standards der Arbeit bundesweit zu sichern.

Kölner Klinikclowns e.V. (2026), koelner-klinikclowns.de/verein, Abruf: 22.01.2026.


Wirtschaft ist Care

Das Beispiel der Klinikclowns macht deutlich, dass Care-Arbeit weit über körperliche Pflege hinausgeht. Psychische und emotionale Unterstützung ist ein zentraler Bestandteil von Gesundheit und Heilung. Studien belegen, dass speziell geschulte Clowns präoperative Angst bei Kindern reduzieren können (Golan et al., 2009). Humor kann zudem Stressreaktionen beeinflussen und psychosoziale Belastungen im Krankenhaus mindern (Rote Nasen 2021).

Die psychische Gesundheit beeinflusst also maßgeblich körperliche Heilungsprozesse. Studien zeigen, dass Lachen die Ausschüttung von Endorphinen fördern kann, wodurch die subjektive Schmerzwahrnehmung sinkt (Rote Nasen 2021). Lachen hilft beim Umgang mit Sorgen, Einsamkeit und stärkt die Selbstwirksamkeit der Patient*innen. Diese erleben sich nicht nur als passive „Kranke“, sondern als aktiv Beteiligte im Geschehen.

Diese Care-Arbeit betrifft nicht nur Patient*innen, sondern auch ihr Umfeld. Angehörige könnten Erleichterung empfinden, wenn sie ihre Familienmitglieder lachen sehen. Pflege- und Ärzteteams könnten von einer entspannteren Atmosphäre und verbesserter Zusammenarbeit profitieren. Klinikclowns könnten somit zur Entlastung eines überlasteten Gesundheitssystems beitragen. Eine Leistung, die unsichtbar bleibt und selten angemessen entlohnt wird.

Aus ökonomischer Perspektive stellt sich jedoch die Frage: Warum wird diese Form der emotionalen Unterstützung häufig Ehrenamtlichen oder spendenfinanzierten Organisationen überlassen?

Während medizinische Leistungen klar mess- und abrechenbar sind, ist emotionale Stabilisierung schwer messbar und im System nicht direkt zu erfassen. Emotionsarbeit besteht aus Beziehungsarbeit, Stimmungsregulation und situativer Anpassungen. Dies sind Leistungen, die strukturell weniger sichtbar sind (Rastettter 2008). Die Klinikclowns machen somit eine Lücke sichtbar: Emotionale Arbeit ist nachweislich wirksam, wird jedoch strukturell eher als ergänzende Leistung, anstatt als wichtiger Bestandteil medizinischer Versorgung gesehen (Golan et al. 2009; Rote Nasen 2021). Dass diese Art von Care-Arbeit häufig spendenfinanziert am Leben erhalten wird, verweist auf eine begrenzte institutionelle Anerkennung emotionaler Arbeit im Gesundheitssystem.


Aktualitätsbezug

In der aktuellen Pflege- und Gesundheitsdebatte wird immer deutlicher, dass Pflege mehr umfasst als nur körperliche Versorgung. Neben Personalmangel, Überlastung und psychischen Belastungen von Pflegekräften rückt die seelische und psychosoziale Pflege stärker in den Fokus. Spätestens seit der Corona-Pandemie ist klar geworden, dass Isolation, Angst und Stress ernsthafte Folgen für die Gesundheit haben können. Klinikclowns machen sichtbar, was in der Care-Debatte oft unsichtbar bleibt: Emotionale Arbeit ist essenziell für Gesundheit, wird jedoch häufig nicht als „produktive“ Arbeit anerkannt. Ihr Einsatz zeigt exemplarisch, warum Wirtschaft nicht ohne Care funktioniert und warum Care politisch, finanziell und gesellschaftlich stärker wertgeschätzt werden muss. Interessantes Video:

Quellen: Golan, G., Tighe, P., Dobija, N., Perel, A., & Keidan, I. (2009): Clowns for the prevention of preoperative anxiety in children: a randomized controlled trial. Paediatric anaesthesia, 19(3), 262–266. //doi.org/10.1111/j.1460-9592.2008.02903.x, Abruf: 22.01.26.

Rastetter, D. (2008): Zum Lächeln verpflichtet. Emotionsarbeit im Dienstleistungsbereich, Wiesbaden.

Rote Nasen (2021): Aktuelle Studie belegt: Klinikclowns fördern die Gesundheit von Kindern im Krankenhaus: Lachen ist die beste Medizin! https://www.rotenasen.de/ueber-uns/neuigkeiten/detail/aktuelle-studie, Abruf: 22.01.25.